Evakuierungspläne für den Gletschergarten

18.03.2025

| Luzern

| KGS

Der Gletschergarten ist eines der bekanntesten Museen Luzerns – nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische, die ihn oft schon als Schulkinder besucht haben. Seine Geschichte reicht bis 1872 zurück, als die Familie Amrein-Troller beim Bau eines Weinkellers zufällig auf die beeindruckenden Gletschertöpfe stiess. Doch der Gletschergarten ist mehr als nur ein geologisches Naturphänomen: Er beherbergt wertvolle Dioramen, historische Landschaftsmodelle und das weltberühmte Pfyffer-Relief – das älteste Gebirgsrelief der Welt. Um diese einzigartigen Kulturgüter zu schützen, erstellt der Kulturgüterschutz Evakuierungspläne, die im Notfall eine gezielte Rettung ermöglichen.

Der Gletschergarten: Ein Stück Luzerner Geschichte

Wer in Luzern aufgewachsen ist, kennt den Gletschergarten. Berühmt wurde er durch die Familie Amrein-Troller, die 1872 beim Bau eines Weinkellers auf die Gletschertöpfe stiess – riesige, von Gletschern geformte Vertiefungen im Sandstein, die über 20'000 Jahre alt sind. Schnell erkannte die Familie das touristische Potenzial und begann, die Stätte für Besucher zu erschliessen.
Nach und nach ergänzten sie den Gletschergarten um Schaukästen, sogenannte Dioramen, die mit detailreichen Landschaftsmodellen und Figuren die Welt vergangener Zeiten zeigten. Besonders beeindruckend ist das Pfyffer-Relief – ein akribisch vermessenes Gebirgsmodell der Zentralschweiz, das als ältestes seiner Art weltweit gilt. "Der Gletschergarten hat Luzern sozusagen in der Welt bekannt gemacht", erklärt Museumsdirektor Andreas Burri.

Evakuierungspläne für den Ernstfall

Um sicherzustellen, dass diese bedeutenden Objekte im Notfall geschützt werden, erstellte der Kulturgüterschutz der ZSOpilatus gemeinsam mit Nadeshda Müller, Fachspezialistin Kulturgüterschutz der Stadt Luzern, detaillierte Evakuierungspläne. "Unser Auftrag ist es, eine Einsatzplanung für die Feuerwehr zu erstellen, damit sie genau weiss, was sie retten muss und wie sie es retten muss", erklärt Sebastian Schmid, stellvertretender Chef des KGS.

Dafür wurden alle relevanten Objekte erfasst, mit Prioritäten von 1 bis 5 versehen und in einer speziellen Software dokumentiert. "Es gibt hier hunderte von Objekten, aber nicht alle sind gleich schützenswert. Unser Plan zeigt genau auf, wo sich die wichtigsten Exponate befinden und wie sie im Notfall geschützt oder evakuiert werden können", so Schmid weiter.

Grosse Objekte werden vor Ort geschützt

Während kleinere Objekte in ein Zwischenlager gebracht werden können, müssen grössere oder fest installierte Exponate vor Ort geschützt werden. "Zum Beispiel das Pfyffer-Relief – das kann man in einem Notfall nicht einfach evakuieren. Hier braucht es eine lokale Lösung, etwa Brandschutzdecken oder andere Schutzmassnahmen", erläutert Schmid.
Burri betont die Bedeutung dieser Schutzmassnahmen: "Viele unserer Objekte sind einzigartig und nicht ersetzbar. Vor allem unsere historischen Landschaftsreliefs sind wahre Unikate, die in einem Notfall gesichert werden müssen."

Gefriertrocknung zur Rettung beschädigter Objekte

Sollten Exponate z. B. durch Löschwasser beschädigt werden, kommt eine spezielle Rettungsmethode zum Einsatz: die Gefriertrocknung. Dabei wird das Wasser aus den Materialien entzogen, um Schimmelbildung oder weitere Schäden zu verhindern. Diese Technik wird insbesondere für historische Bücher, Gemälde oder empfindliche Materialien wie Holz oder Textilien angewendet.

Mit den Evakuierungsplänen ist der Gletschergarten Luzern auf Notfälle vorbereitet. Die Feuerwehr kann gezielt handeln und wertvolle Kulturgüter schützen. "Für mich ist es eine besondere Freude, als Kulturgüterschützer im Einsatz zu sein. Man sieht Dinge, die normale Museumsbesucher nie zu Gesicht bekommen", sagt Schmid zum Abschluss. Sein Engagement und das des gesamten Teams helfen, bedeutende Kulturschätze für kommende Generationen zu bewahren.

Autor

Lorenz

Zahler

ZSOpilatus Mediengruppe

Film

Isai

Oswald

ZSOpilatus Mediengruppe